Sonntag, 8. Juli 2012

1. Tag Ägypten, Teil 2 "They're no tourists, they're friends"

So bevor ich für heute den Stecker ziehe und mich meiner Handarbeit widme noch den versprochenen zweiten Teil unseres ersten Tages in Hurghada.

Nachdem wir den flirtenden Servicemensch losgeworden waren, erzählte ich Tim, dass ich in Deutschland schon vorab nach möglichen Ausflügen gegoogelt habe. Ich hatte gelesen, dass es wesentlich günstiger sei die Touren in der Stadt anstatt im Hotel zu buchen.
Wir packten etwas Geld ein, zogen uns um und gingen raus auf die Straße.

Kaum hatten wir die letzte Stufe vom Hotel hinter uns gelassen, sprangen die Ägypter auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf und riefen uns zu "My friends, come and see my shop." Es gab dort einen Badezubehör und Klamottenladen, einen kleinen Supermarkt (so hieß hier alles was zumindest Getränke und Süßigkeiten anzubieten hatte) und einen Souvenirshop. Ich sagte mehrmal auf englisch, dass wir nichts bräuchten, aber irgendwie wollten oder konnten sie mich nicht verstehen. Ich tat intuitiv das einzig Richtige und ignorierte die Männer.

Wir gingen weiter die Straße runter und passierten eine Apotheke und noch einen Souvenirshop. Danach kam nichts mehr außer leerer Häuser und sandigen, breiten Straßen mit Bürgersteigen die ca. 20cm hoch waren. Ein Taxi näherte sich langsam und hupend. Der Fahrer lehnte sich aus dem Taxi und rief fragend "Taxi?!" Ich winkte ihm zu. Nach mehrmaligem hin und her von "We want to go to the McDonals. What does it cost?" und "How much do you give?" und der Tatsache, dass es mehr als 20km bis in die Stadt seien (Wir wussten, dass es weniger sein musste da wir von dort gekommen waren) einigten wir uns auf einen Preis. Ich machte einen großen Fehler und gab ihm das Geld direkt.

Im Taxi selber heulte uns der Fahrer dann immer wieder vor wie lange die Strecke wär und das wir ihm zu wenig zahlen würden. Er hielt in einer Nebenstraße und rief jemanden aus einem Laden an das Auto. Dieser jemand (Kinnlange gelockte Haare - ein echt Hübscher) öffnete uns die Tür und wollte, dass wir ihm folgten. Ich dachte mir schon, dass er uns in seinen Laden locken und uns irgendwas aufschwatzen wollte. Tim blieb draußen stehen und hielt mich an es ihm gleich zu tun. Als wir da standen kam der Ägypter zurück und sagte wir sollen reinkommen, ich sagte nur kurz, dass wir nichts bräuchten und weiterwollten. Er gab nicht nach und nachdem er sagte er wolle mir eine Karte mit der Taxinummer geben, damit wir wieder abgeholt werden konnten, folgte ich ihm. Darauf er mit einem finsteren Blick "Why don't you like my shop?" Ich erklärte ihm, dass ich nichts gegen seinen shop hätte, sondern nur etwas gegen die Tatsache, dass wir uns genötigt fühlten etwas kaufen zu müssen. Als ich mich an einen kleinen Plastiktisch setzte rief der junge Mann seinen Vater herbei der sich zu mir setzte. Er sprach mit mir in gebrochenem Deutsch. Auf eine Karte schrieb er die Taxinummer und ich versuchte währenddessen die Situation zu entschärfen und fragte ihn nach einem Geschäft in dem man Touren buchen könne. Er drückte mir die Karte in die Hand und rief einen kleinen Jungen. Ich verstand, dass wir ihm folgen sollten.

Wir liefen ihm also hinterher und kamen auf direktem Weg zu Saif Tours. Vor mir stand der erste mir sympathische Ägypter dem ich begegnet bin. Wir lasen uns die verschiedenen Tourmöglichkeiten durch und handelten einen Preis aus. Auf meiner bzw. unserer Wunschliste standen eine Quadtour durch die Wüste, Schnorcheln und Gizeh. Die Quadtour bekamen wir für 25,-€ p.P., das Schnorcheln für 20,-€ p.P. und die Tour nach Kairo incl. Sphinx und Pyramiden für 50,-€ p.P. Irgendwie traute ich der ganze Sache nicht so ganz, da wir nur drei weiße Quittungen mit irgendwelchen arabischen Schriftzeichen bekamen auf den unser Hotelname, die Zimmernummer, Name, Uhrzeit und Datum der Abholung sowie die Anzahlung vermerkt waren. Kairo hätte wir direkt komplett bezahlen müssen, da wir aber einerseits nicht genug Geld dabei hatten und andererseits noch unsicher waren ob das alles so klappen würde, sagten wir wir kämen nochmal vorbei um die Tour zu bezahlen. Tamer (der Verkäufer) lachte immer wieder weil ich dem Braten nicht traute und sagte zu Tim, dass er eine sehr schlaue Frau hätte. Das fand ich irgendwie süß :)

Wir hatten also unsere Touren teilweise angezahlt und waren fürs Erste fertig. Als wir den Laden verlassen wollten, sprang der Junge der uns hergebracht hatte auf (er hat die ganze Zeit auf uns gewartet) und begleitete uns zurück zum Ausgangspunkt. Angesprochen wurden wir wenig, da wir den einheimischen Jungen dabei hatten, vermutlich waren wir demnach bereits "reserviert".
Zurück beim ersten Geschäft machten wir klar, dass wir nur zurück zum Hotel wollten. Tim hatte dem kleinen Jungen noch zwei Euro in die Hand gedrückt.

Der gelockte Ägypter wollte sich um ein Taxi kümmern, warum er nicht einfach den Taxifahrer von der Hinfahrt angerufen hat wie vereinbart ist mir bis heute nicht klar. Dummerweise wusste niemand wo unser Hotel ist, selbst wir nicht da wir davon ausgegangen sind, dass die Leute es kennen. Tja wieder so ein dummer Fehler! Der Lockenkopf rief irgendeinen guten Freund an, der versicherte er wüsste wo das Hotel ist. Dieser Freund kam nach einer Viertelstunde auch endlich vorbei und nahm uns mit. Kurz bevor wir losfahren hing sich der lockige Ägypter ins Fenster und sagte seinem Freund "They're no tourists, they're my freinds." Er wollte dem Fahrer klarmachen, dass er uns nicht abzocken könne. Soweit so gut...

Wir fuhren los und zwar in die entgegengesetzte Richtung als die aus der wir kamen. Ich fand das zwar seltsam, dachte mir aber dass der Fahrer ja schon weiß wohin wir mussten und vielleicht gäbe es da noch einen anderen Weg. Wir fuhren und fuhren, es wurde dunkel (und das schon um halb sieben!). Irgendwann hielten wir an. Scheinbar waren wir nach Meinung des Taxifahrers angekommen. Ein kurzer Blick nach draußen und wir erklärten dem guten Mann, dass es das völlig falsche Hotel sei. Er schien nicht sehr begeistert und bemühte sein Handy. Nachdem er vier oder fünf Leute angerufen hatte und keiner unser Hotel kannte, überlegte ich was wir machen konnten. Ich wusste nicht mal wie das Hotel neben uns hieß... Ich gab ihm die Nummer von Tamer und bat ihn dort mal anzurufen. Das war leider auch erfolglos - ich sag ja die Sache mit den Touren wird noch lustig wenn die nicht mal das Hotel kennen :/
Nach zwei weiteren Telefonaten schien unser Fahrer den Weg zu kennen. Er erklärte uns, dass das Hotel vorher anders hieß - "Seastar". Gut, mir egal, hauptsache wir kommen bald an. Mir ist mehr als einmal während unseres Urlaubs durch den Kopf gegangen wieviel man hier Vertrauen muss, da man sich schlecht verständigen konnte und oft allein mit den Ägyptern war. Theoretisch hätten sie uns einfach ausrauben oder entführen können...

Irgendwann kamen wir dann endlich im Hotel an - Freude!!! Statt den 5,-€ musste wir dann, weil wir Freunde sind, 15,-€ bezahlen. Naja, war mir jetzt auch Schnuppe...

Nachdem wir kurz auf dem Zimmer waren und die Vouchers und unser Geld in den Safe gesperrt hatten, ging es runter zum Essen. Da war ich ja mal gespannt! Es gab jeden Abend diverse Brötchen (meist süß), Fladen (ich lieeeebe Fladenbrot), Salate, Pasta und Kartoffeln in allen Variationen und Fleisch und Fisch um das ich immer einen Bogen gemacht habe. Insgesamt ganz okay, nicht wirklich ägyptisch, eher in Richtung europäisch. Der Nachtisch war immer das Beste! Kleine Streifen Kuchen, dunkle und helle mit verschiedenen Belägen und Baklava. Mjam mjam.
Im Hintergrund fing die Animation an. Ich hörte immer nur "Cobra-Show" und als wir Richtung Strand gingen, sahen wir wie die Russen mit verschiedenen Schlangen Urlaubsfotos machten. Arme Tiere!

Fotos habe ich leider keine von diesem Tag, aber das Urlaubsfeeling stellte sich bei mir noch nicht ein, da der Tag einfach nur stressig war. Da war auch die Freude groß als wir bei 23°C Zimmertemperatur in die Betten fallen konnten.

To be continued...

Samstag, 7. Juli 2012

1. Tag Ägypten "Ich könnte ins Lenkrad beißen!"

Der Tag der Abreise rückte immer näher. Ich fühlte mich wie ein Kind, dass auf Weihnachten wartet. Dieses Gefühl habe ich verloren geglaubt zu haben, aber es war sehr präsent.
Die Tage zogen sich wie Kaugummi, ich konnte mich auf der Arbeit nicht mehr konzentrieren und mein Arbeitspensum wurde immer geringer... Die Freude auf die allabendlichen Telefonate hob meine Stimmung aber immer wieder an und so war der Freitag endlich da.

Nach der Arbeit spurtete ich noch in die Stadt um eine weiße lange Hose und eine Kopfbedeckung zu kaufen. Da hielt ich weiß noch für eine richtig gute Idee, denn so würde ich die Hitze nicht so aufnehmen wie mit dunklen Klamotten. Dummerweise habe ich nicht daran gedacht wie schwer Wüstensand aus weißer Kleidung zu bekommen ist...

Wie auch immer, ich hatte alle Sachen beisammen und fuhr schnell nach Hause, da Tim sich schon angekündigt hatte.
Als ich alle Sachen zusammengepackt und in meine Reisetasche gelegt hatte, sprintete ich bei jedem vorbeifahrenden Auto Richtung Tür, da es ja schließlich Tim sein konnte...
Und beim zweiten Auto war er es dann auch. Die Vorfreude auf den Urlaub wuchs und wir stachelten uns gegenseitig an was wir alles machen könnten.

Abends gings noch zu Michelangelo. Das war eines der besten Essen die ich je gegessen habe!!! Als Vorspeise gab es warmen Ziegenkäse in irgendwas (ich habs tatsächlich vergessen) mit Salat und als Hauptspeise selbstgemachte Ravioli, gefüllt mit einer Walnusscreme und Gorgonzola-Sauce. Als Nachtisch hatte ich Panna Cotta. Es war ein Traum!

Die restliche Zeit vertrieben wir uns mit spazierengehen und reden. Eine Stunde Schlaf gönnten wir uns auch und dann ging es schon los.
Kurz nach Sonnenaufgang saßen wir in Korschenbroich am Bahnhof und warteten auf den Zug. Ich hatte eine IC-Verbindung rausgesucht.





Dummerweise kamen um die Uhrzeit zwei Züge gleichzeitig an und Tim wollte in den falschen einsteigen. Ich war so verunsichert weil kein IC am Gleis stand, sondern nur eine S-Bahn. Als ich auf meinen Zettel schaute, schlossen sich schon die Türen von der Bahn und ich stand mit dem Zettel in der Hand im Wind und schaute der S-Bahn nach.
Als ich begriff, dass wir gerade den Zug "verpasst" hatten, obwohl wir 20 Minuten zu früh da waren und 18€ umsonst bezahlt hatten, hätte ich mich selbst ohrfeigen können. Ich verfiel in Flüche und ging schnurstracks Richtung Auto. Der nächste Zug kam erst einer halbe Stunde später und so würden wir zu spät am Flughafen sein...

Auf der Fahrt konnte ich mich nicht halten und musste einfach mal ins Lenkrad beißen.



In Düsseldorf angekommen musste ich zweimal um das Flughafengebäude und die Parkplätze fahren bis ich aufgab und einen der teureren Langzeitparkplätze anfuhr. Tim versicherte mir mehrmals, dass das alles kein Problem sei und wir das schon hinkriegen würden. Es hätte aber doch alles so einfach sein können :(

Via SkyTrain ging es dann zum Terminal. Bis wir den richtigen Schalter gefunden hatten verging nochmal eine halbe Stunde. Als ich die Schlange sah fiel ich fast um. Man konnte den Schalter nicht mal wirklich sehen vpn hier aus. Grrrrrrr!!! Nun gut, übe dich in Geduld junger Padawan... Gemacht, getan.
Kurz bevor wir dran kamen erhob sich die äußerst nette Stewardess (Achtung Ironie) und bat uns an den anderen Schalter zu gehen, da sie jetzt gehen müsse. Das kann doch nicht sein?!
Zwischendurch immer wieder gemurmel es wären zu viel Leute noch nicht eingecheckt. Ich glaube das Wort "überbucht" zu hören. Hmpf! Nur Geduld... Tatsächlich schafften wir es noch zwei Tickets in den Händen zu halten und da war mir die Tatsache, dass wir nicht mal nebeneinander saßen auch fast egal.

Nix mehr mit Duty-Free, Essen oder Trinken. Die Zeit war zu knapp und als wir am Gate ankamen, konnten wir uns auch schon einreihen um ins Flugzeug zu kommen.
Der Flug an sich war in Ordnung. Schlafen konnte man aufgrund Platzmangel nicht wirklich und das Essen konnte man nicht als Essen bezeichnen, aber mittlerweile war mir alles egal.

In Hurghada angekommen, ging es lustig weiter.
Wir wussten durch einen Bankangestellten, dass man das Visum nicht über die Reiseleitung, sondern am Bankschalter in der Ecke machen sollte um so vieeeel Geld zu sparen. Gesagt, getan.
Eingereiht zur Passkontrolle. Hmmm - Warum haben die alle noch so einen arabischen Wisch und wir nicht?! Ach das sind andere Nationalitäten.
Denkste! Kurz vor der Kontrolle bekam ich auf einem Ohr mit, dass man diese Dinger ausgefüllt von der Reiseleitung bekam. Nein! Das ist doch unfair! Also bin ich zu dem genervten, arabischen Zollmenschen getigert und habe ihn mal gefragt wo wir diesen Wisch denn nun bekommen, denn das Visum hatten wir ja schon. Er versuchte irgendwas zu erklären, griff dann aber entnervt unter die Theke und gab mir zwei solcher Zettel. Ich sollte die ausfüllen. Juhu! Wenigstens etwas! Also Stift her und ausfüllen.

Als wir dann dran kamen, gab er mir meinen Ausweis nicht wieder und murmelte irgendwas in seinen Bart. Was denn jetzt noch?! Nach dem dritten Nachfragen begriff ich. Mein Visum war noch nicht ausgefüllt. Also Stift wieder in die Hand und ausfüllen. Ich bekam endlich meinen Ausweis und wir konnten Richtung Ausgang gehen.

Am Ausgang warteten auch schon 10 rufende Ägypter mit Zetteln in der Hand, die ihre Grüppchen zusammensuchten. Wenigstens ging da alles glatt und wir mussten nur noch auf den Rest warten. Langsam machten sich aber die 38°C im Schatten bemerkbar. Mir lief die Suppe nur so runter und ich war froh als wir endlich in den klimatisierten Bus steigen konnten.

Eine Flasche stilles, eiskaltes Wasser bekamen wir als Willkommensgeschenk, obwohl wir immer damit rechneten, dass sie gleich noch Geld dafür haben wollten. Aber wenigstens hier waren sie tatsächlich entgegenkommend und nett!

Die Fahrt zum Hotel war relativ unspektakulär.
Schon als wir die ersten Häuserreihen passierten war ich 9 Jahre zurückversetzt in den katastrophalen Syrien-Urlaub. Das ist allerdings eine ganz andere Geschichte...
Die "Architektur" war hier, wie in Syrien, sehr atemberaubend. Überall Betonkolosse ohne Wände, die wie Pilze aus dem Boden schossen. Viele leere Häuser, teils ohne Fenster und Türen. Müll wohin das Auge sieht und Straßen bei denen man nicht wusste ob sie zwei- oder siebenspurig waren.

Im Hotel angekommen mussten wir noch Zettel ausfüllen bevor wir unseren Schlüssel bekamen. Allerdings bekamen nicht wir den, sondern der arme Kofferträger dessen Hemd aufgrund erhöhter Anstrengung die Farbe gewechselt hatte.
Im Zimmer angekommen stellte sich schnell heraus, dass wir keinen Strom hatten. Die Klimaanlage, sowie der Kühlschrank funktionierten nicht. Über die herausgerissenen Steckdosen habe ich einfach mal weggesehen. Man versicherte uns jemanden raufzuschicken der sich das mal ansah.

Auf diesem Wege lernten wir die erste Regel: In Ägypten musst du alles selbst machen, es sei denn du bist stinkreich und bezahlst einfach ALLES. Also bin ich kurzerhand runter, habe das Problem geschildert und eine neue Karte für den Strom bekommen. Wie sich herausstellte war es nur ein Wackelkontakt.

Keine fünf Minuten später hatte ich schon den Roomservice an der Back kleben. Mahmut stellte er sich vor und er flirtete ohne Ende. Tim schien ihn nicht weiter zu interessieren. Ich wollte nett sein und unterhielt mich recht lange mit ihm, zwar im erste Moment ein Fehler, aber nachdem ich ihn am nächsten Tag ignoriert habe, hat er die ganze Woche nicht mehr ein Wort mit uns gesprochen...

So, bevor ich euch langweile, schreibe ich morgen weiter :) Der Tag hatte noch ein paar Überraschungen zu bieten...

1 Woche Ägypten - oder: Vertrauen neu erlernen

Seit 7 Stunden bin ich nun wieder auf deutschem Boden und kann nicht wirklich fassen, dass ich gestern zu dieser Zeit noch in Hurghada und auf dem Weg zu einem traditionellen Mittagessen war.

Aber am besten fange ich mal ganz von vorne an :)

Wie kam es überhaupt dazu?!
Nun... Schuld ist eigentlich eine gute Freundin von mir, die ich mit ihrem Babybauch fotografieren sollte.
Da ich ja nun nicht mehr in den Genuss eines eigenen Studios komme (aufgrund meiner Trennung), mussten wir uns einen alternativen Shootingort aussuchen und die Suche via world-wide-web ging in die erste Runde.

Rausgesucht hatte sich meine Freundin drei verschiedene Studios. Die Technik war bei allen vom Feinsten, aber die Preisunterschiede waren gigantisch! Von 50€ - 400€ für den ganzen Tag zog sich die Preisspanne.
Schnell hatte ich mich auf das günstigste der Studios eingeschossen und ein Termin war schnell gefunden.
Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass man ein gutes Studio (mit Schwarz- und Weißbereich) für nur 50€ für einen ganzen Tag mieten konnte... Irgendwo musste es da einen Haken geben!

Um es kurz zu machen - Nach ein paar Schwierigkeiten kamen wir beim  http://fotostudiopowerplant.de/  in Hamm an. Von außen ein ganz normales Einfamilienhaus. Ich wusste bereits, dass das Studio in der großen, angebauten Garage untergebracht war. Also schnell dem Besitzer Tim die Hand geschüttelt und sich alles erklären lassen. Meine Unterlippe wollte den Weg zur Oberlippe gar nicht mehr finden als ich die Reihe an verschiedenen Blitzköpfen und Lichtformern sah. Ein Traum für einen Hobbyfotografen wie mich. 50 Euro? Der Kerl musste verrückt sein. Natürlich fragte ich ihn direkt. Tim erklärte, dass er das Studio so betreibe, dass es sich selbst trägt. Bedeutet er nimmt nur Geld für Strom und Verschleiß. Er hätte sich sowas früher gerne auch für sich selbst gewünscht. Ich dachte mehr als einmal "Hammer dieser Mensch. Ein moderner St. Martin."

Frei nach dem Motto "Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht", habe ich allerdings nur die mir vertrauten rechteckigen Lichtformer samt mittelstarker Blitzköpfe benutzt. Als ich mit dem Shooting durch war, wusste ich wieder warum ich so selten hinter der Kamera stehe - ein Knochenjob! Ich war echt fertig und dabei war das ja nur die Vorarbeit, die hauptsächliche Arbeit folgte zu Hause am PC...

Nachdem alles aufgeräumt war, sind wir noch zu Tim ins Wohnzimmer gegangen um das Finanzielle zu regeln. Da nicht genug Bargeld zugegen war, musste der Mann meiner Freundin noch zur nächstgelegenen Sparkasse flitzen.
Diese Zeit nutzten Tim und ich ausgiebig um etwas zu fachsimpeln. Kennst du den Fotograf? Hast du das auch schon mal erlebt? Was bevorzugst du wenn...? usw. Wir waren so vertieft, dass wir die beiden neben uns Sitzenden und Wartenden gar nicht mehr bemerkten.
Irgendwann kam ein lauter Stöhner von meiner Freundin und der Hinweis, dass wenn wir jetzt aufbrächen wir noch die zweite Halbzeit vom EM Länderspiel Deutschland - Dänemark mitbekämen. Hmpf und das jetzt wo es doch so interessant war... Naja ich musste ja auch noch von Hamm nach Mönchengladbach... Also gut, dann eben gen Heimat.

Im Auto konnte ich mir dann noch anhören, dass der Tim ja schon starkes Interesse an meiner Person gezeigt habe. Ich empfand das gar nicht so, sah es eher als ein freundschaftliches Aufeinandertreffen und überlegte wie man das Gespräch wohl fortsetzen könne... Tim jetzt krampfhaft über Facebook zu suchen und zu "adden" kam mir aber auch sehr bedrängend vor, also wartete ich erstmal ab.

Warten musste ich nicht allzu lange. Am nächsten Tag hatte ich schon direkt eine Nachricht bei Facebook von Tim - das ging schnell. Noch am gleichen Abend wurde uns klar, dass so ein doofes Nachrichtenfenster nicht ausreichte um sich mitzuteilen. Wir telefonierten. Wir telefonierten lange. Wir telefonierten sehr lange. Um halb fünf, nach 7,5 Stunden schafften wir es den roten Knopf auf dem Telefon zu betätigen. Jetzt mag sich der ein oder andere zu Recht fragen was man sich da zu erzählen hat. Mmmhhhhh gute Frage. Einfach alles! Es gab kein Tabuthema, kein Schöngerede oder Gesülze. Es war eine richtig tolle Unterhaltung! Ein Wort gab sich das andere und während der andere erzählte formte sich schon eine Antwort im Kopf.

Das Telefon wurde in den nächsten Tagen unser bester Freund und aus der Tatsache, dass es schade sei, dass es so wenig spontane Menschen gibt mit denen man einfach mal am Flughafen einen Urlaub buchen kann ohne vorher zu wissen wohin man fliegt, wurde der Ägyptenurlaub.

Wir kannten uns ganze 2 Wochen, wovon wir uns 3,5 Tage live gesehen hatten und würden zusammen Urlaub machen. Total verrückt! Aber leider geil ;) - Grund hierfür ist das Gefühl jemanden gefunden zu haben mit dem auf einmal alles möglich scheint. Ich war wie in Trance aufgrund der vielen Stunden Unterhaltung jeden Tag am Telefon (immer mind. 5 Stunden) die mich glücklich machten, dem wenigen Schlaf und den enormen Glücksgefühlen die meinen Körper duchströmten.

Nach unserem ersten gemeinsamen Wochenende kamen wir überein, dass wir zwar kein Paar sein wollten, aber dass das der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein sollte!

Tag 1 der Ägyptentour kommt in einem gesonderten Post ;)

Donnerstag, 7. Juni 2012

Was ich so gemacht habe...

Ich habe euch das fertige Würfelsäckchen bisher vorenthalten.
Außerdem hab ich noch ein anderes, gestanciltes, fuer einen Freund gemacht.

Und ein weiteres Geschenk fuer unsere Spielleiterin, Marvin der Wikinger

(Da ich vom Handy aus hochlade und eine App zum bloggen nehme, sind die Bilder leider verdreht)




Alles wird gut

Ich bin immer wieder überrascht wie schnell sich neue Türen öffnen wenn andere sich geschlossen haben...

Seit Freitag wohne ich nun auf meinen eigenen 30qm. Ich hab es mir genmütlich gemacht so gut es eben mit den vorhandenen Mitteln ging.
Pc, Nähmaschine, Overlock, ein paar hübsche Stöffchen, Sticksachen und einige Habseligkeiten hab ich mitgenommen.

Soweit so gut...
Im letzten Post schrieb ich ja von meinen beruflichen Perspektiven, was soll ich sagen?
Ein Traum ist fuer mich in Erfüllung gegangen! Gestern bekam ich eine Mail... Ich saß bei meiner Mutter mit einem Glas Wein und wollte mal schaun ob ich was wichtiges bekommen habe, da sah ich auch schon ein rotes Ausrufezeichen und einen bekannten Namen.
Ich öffnete die Mail und mitten im Satz fing ich an zu schreien...

Der Wortlaut war “...erhalten Sie unser Zusageschreiben“
Ich darf ERGOTHERAPEUTIN werden!!!
Incredible

Das heißt nun neue Planung, viel Organisation, viel Neues, aber ich freue mich drauf!

Als ich ins Bettchen schlüpfen wollte, lachte mich eine Minihortensie und farblich passende Pralinen an - Mama du bist die Beste!




Montag, 28. Mai 2012

Alles Neu macht der Mai

Hinter diesen Worten steckt in diesem Jahr mehr Wahrheit als ich gebrauchen kann...

Vermutlich haben sich einige gewundert was mit mir passiert ist, da ich lange nichts von mir habe hören lassen. Verschollen? Verunfallt? Untergetaucht? NEIN! Ich bin noch da, aber musste erstmal die Wirrungen meines Lebens entwirren...

Aber mal langsam... Den 26.04. werde ich so schnell nicht vergessen. Der Tag an dem ich eine sehr schwere Entscheidung traf. Ich trennte mich von meinem Freund.
4,5 Jahre Beziehung sind schon eine sehr lange Zeit.
Eine Zeit in der ich sehr viel über mich gelernt habe, in der ich oft gefallen, aber immer wieder aufgestanden bin. Hört sich dramatisch an, war es auch!
Es gab immer wieder schöne Momente, aber auch Momente in denen ich an mir zweifelte.

Wie oft hatte ich die Trennung gedanklich schon vollzogen, dann aber doch wieder allen Mut zusammengenommen und der Beziehung eine neue Chance gegeben?!
Dann traten viele Ereignisse ein die nur eine Möglichkeit offen ließen...
Und das Ergebnis: Ich bin Single! Ich bin frei! Und das Wichtigste: Ich bin seit langer Zeit wieder ich selbst!

Aber ich schweife ab...
Der Mai, der Mai.
Am 02.05. bin ich ausgezogen. Ich packte einen riesigen Koffer, nahm meinen Laptop und ein paar Rollenspielunterlagen und zog zu einer Freundin.
Das Schlimmste war die Ungewissheit... Wo sollte ich hin? Wie wird sich das entwickeln? War das die richtige Entscheidung?
Aber das Gefühl von Freiheit begleitet mich und macht mich stark!

Mittlerweile habe ich den erste Stein gelegt.
Ab Juni ziehe ich erstmal in einer Art WG. Dort bleibe ich bis Ende Juli und werde dann in eine feste Bleibe ziehen. Wohin ich ziehe? Das ist abhängig von der nächsten Baustelle...

Baustelle: berufliche Zukunft.
Momentan habe ich einen halbwegs festen Job. Ich könnte zwar jeden Tag vor der Tür sitzen, aber es ist auszuhalten.
Trotz allem ist und war es nie mein Traumberuf, eher eine Möglichkeit schnell Geld zu verdienen.

In den letzten Jahren hat sich herauskristallisiert, dass ich gerne Ergotherapeutin werden möchte. Es gibt für mich keinen verleichbaren Job, der so viele Möglichkeiten bietet und Kreativität mit Therapie zusammenbringt.
Ich will jetzt gar nicht groß ausholen :)
Diese Jahr habe ich mich zum zweiten Mal bei der Ergoschule in Düren beworben. Letztes Jahr war leider nur ein Platz auf der Warteliste drin... Das Ergbnis bekomme ich Mitte Juni.
Sollte ich eine Zusage bekommen, werde ich ab November die Ausbildung anfangen.

Zweite Alternative wäre ein Job im Einzelhandel in Eschweiler. Hier habe ich Ende Juni Proebarbeiten.

Ihr seht es gibt drei Wohnmöglichkeiten:
Aachen/Eschweiler
Mönchengladbach und im November Düren (Ergoschule)
Mönchengladbach/Krefeld wenn ich beim jetzigen AG bleibe

So genug zur aktuellen Situation, jetzt mal ein paar Bilder:

Vor ein paar Wochen war ich bei meiner Mum. Mit ihr kann ich einfach am besten reden und dort fühle ich mich momentan am ehesten zu Hause.
Meine Schwester und sie haben sich überlegt was man mir in der jetzigen Situation Gutes tun könnte und drückten mir eine Papiertüte in die Hand.
Ich schaute rein und als ich bei den letzten Dinge die darin waren angekommen war, hörte man mich nur noch quieken und schreien.
Es gab drei Pakete TILDA-STOFF!!!! Meine ersten Tilda-Stoffe waaaaahhhhhhh


Neben diesen entzückenden Stöffchen, war auch eine Patchworkzeitschrift dabei





Wie ihr euch vorstellen könnt war die Freude riesig!
Meine Mutter erzählt mir, dass die Garnrollen ein Geschenk der Verkäuferin war, die GEschichte dazu war ungefähr folgende:

"Wofür braucht Ihre Tochter die Stoffe denn?"
"Als Nervenfutter sozusagen."
"Ach Abiturstress?"
"Neeee, Trennungsschmerz."
"Ach Gott die Arme. Das ist ja traurig. Da hab ich aber auch noch was für sie."

Total süß :)

Ansonsten warte ich nun auf den Juni, damit ich meine verstaubte kleine Erna (Nähmaschine) wieder auspacken und den Stoffen Leben einhauchen kann.

Neues Leben ich komme!

Ach hier noch ein Foto von meinen aktuellen Mitbewohnern:

Sonntag, 8. April 2012

Frohe Ostern - oder wie verbringt man Feiertage sinnvoll






Hallo zusammen,


lange hab ich nichts mehr von mir hören lassen (aber das ist ja nichts Neues :)).
Demnach gibt es mal einen kleines Update.

Zuerst mal bin ich happy, dass ich einige Sachen endlich beenden konnte.
Darunter fällt zum Beispiel eine gestickte Mitteldecke zum Geburtstag meiner Schwiegermutter





Dann habe ich das Geburtstagsgeschenk für meine Mama fertiggestellt (das kann ich natürlich nicht einstellen weil sie auch mal hier guckt und das dann sieht - is klar ne?! :))

Heute habe ich auch das Wichtelgeschenk für den Patchworkswap von NuS fertiggestellt. Ich habe immer noch das Gefühl es ist zu wenig, aber so langsam reichen meine 10cm Stücke Stoff nicht mehr :) Vielleicht mach ich noch ne Kleinigkeit...

Am Freitag war ich bei der lieben Steffi zum Geburtstag eingeladen. Wie sie selber schon brummelt festgestellt hat, sind Karfreitage doof für Feiern, da entweder keiner da ist oder man nicht weiß wo man hin soll, da wenig los ist. Aber wir haben das Beste draus gemacht und unserer Steffi einen schönen Tag beschert.

Ich musste auch ein paar Gehirnwindungen zwecks Geschenkefrage opfern, aber ich bin ja nicht allzu unkreativ und habe ihr einen Gutschein für ein Fotoshooting mit Makeup geschenkt. Die Fotos und die Schminke übernehme ich :) (Ja auch das Hobby hab ich mir ans Bein gebunden - vielleicht mach ich die Tage mal einen Eintrag mit ein paar Werken...). Dazu dann einen schönen Gutschein ausgedacht, einen Text und ein Stoffherz genäht.

Bei Steffi gab es dann leckre Muffins, einen Kuchen und ZUCKERSTREUSEL MIT SAHNE - YES!!!
Ich war direkt zurückversetzt in die Küche meiner Oma wo ich immer Sprühsahne auf einen Unterteller gesprüht habe und haufenweise bunte Streusel drüber verteilt habe. Patrik und ich ließen uns dann zu einem "Wer-hat-den-größten-Sahnehaufen-auf-dem-Löffel"-Wettstreit hinreißen.



Heute war dann großes (Fr)Essen bei den Schwiegereltern angesagt. Aber da ich gestern noch auf die gloreiche Idee gekommen bin nach Tongeren zum Antiktrödelmarkt zu fahren gekommen bin, hieß es erstmal früh aufstehen und nach Belgien fahren.

Mission: Beschaffung von Niedlichkeiten

Ziel: 2 Bilderrahmen
       1 Schubladenkommode zum aufhübschen

Ergebnis: 2 Bilderrahmen
               1 Porezallankaraffe
               0 Schubladenkommode (verdammt!)

Ich liebe den Antiktrödel in Tongeren!!!! So viele tolle, kitschige, liebenswerte und alte Sachen für unglaublich kleines Geld gibt es nirgendwo sonst.

Leider habe ich keine olle, verranzte Schubladenkommode gefunden. In Tongeren gibt es dann doch eher die Eichenschränke aus Omas Wohnzimmer die vor so viel Charme spritzen, dass ich es nicht übers HErz brächte sie zu bekleben...

Allerdings habe ich für 25€ folgende Dinge erstanden:





Bitte nicht erschrecken - der Jesus und der grüne Kunstrasen werden im Nirvana verschwinden.
Ich brauchte lediglich zwei tolle Rahmen in denen ich Stoff und zwei Scherenschnitte unterbringen kann.

Das Essen anschließend war übrigens toll :) Ich liebe den Hackbraten meiner Schwiegermama!!!
Und voll bin ich jetzt noch, denn heute war großer Querbeet-ess-tag.

Morgen wird nochmal genäht und am Dienstag geht es bis Samstag in den Harz <3

Euch schöne Ostern!!!